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ZUM GELBHORN
AUSZEICHNUNG / PRIX LIGNUM 2024 
SILBER «PUTZ & FARBE 26»

Im Vorfeld der Instandsetzung des mittelalterlichen Gebäudes «Zum Gelbhorn» im Bäderquartier von Baden veranlasste der Kanton Aargau eine archäologische Bauuntersuchung. Dendrochronologische Analysen datieren die ältesten erhaltenen Holzbalken auf das Jahr 1558 und belegen eine über 400-jährige Bau- und Nutzungsgeschichte. Trotz umfangreicher Befundauswertungen sowie Archivrecherchen ließ sich keine geschlossene, rekonstruierbare Fassungs der Gassenfassade vor 1900 nachweisen.

 

Die Fassadeninstandsetzung interpretiert die um 1911 datierte Fassadenansicht in ihrer Formensprache mit zeitgemäßen handwerklichen Mitteln. Konstruktion und Gliederungselemente aus Eiche wurden unter Einsatz CNC-gestützter Fertigung hergestellt, wobei bewusst sichtbare Frässpuren zur Erzeugung einer licht- und schattenwirksamen Oberflächenstruktur eingesetzt wurden. Die zweigeteilte Schaufensterkonstruktion folgt dem historischen Vorbild mittelalterlicher Ladenfronten und ermöglicht eine Verbindung zum Gassenraum.

Konstruktiv wurde das Fachwerk freigelegt, statisch überprüft und instandgesetzt. Die Fassade erhielt einen dreilagigen Putzaufbau aus Sumpfkalk und lokalem Limmatsand. Der Wärmeschutz wurde durch eine innenseitige, gedämmte Vorsatzschale gewährleistet, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern.

Zentrales gestalterisches und materielles Bindeglied bildet die Farbpalette auf Basis von Rebkohle («Rebschwarz») aus Pinot-Noir-Rebholz der Bauherrschaft aus Salgesch. Die gezielt verkohlte Rebe wurde als Pigment im Kalkputz ein-gesetzt und verbindet bauhistorische Tradition, Materialökologie und persönliche Geschichte. Neben der charakteristischen Farbwirkung verbessert die Rebkohle durch ihre Wasserspeicherfähigkeit den Abbindeprozess des Kalkputzes und bringt zusätzlich dämmende Eigenschaften mit ins System. 

Die differenzierte Ausarbeitung von Gassen- und Hoffassade, die nuancierte Behandlung der Eichenoberflächen sowie die Rückführung historischer Elemente – Wirtshausschild, Hinterglasvergoldung und Namensgebung «Zum Gelbhorn» – sichern die identitätsstiftende Weiterentwicklung des Gebäudes und bilden die Grundlage für dessen nachhaltige Nutzung.

Baujahr                 2021/24

Bauherrschaft       Bernd Reichert, Zürich.

Architektur            Zweifel Architekt GmbH ETH SIA, Zürich.

Oberflächen          wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil

Tragwerk massiv  Aerni + Aerni Ingenieure AG, Zürich.

Holztragwerk        Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich.

Bauphysik             BWS Bauphysik AG, Winterthur.

Baumeister           Jäggi + Hafter AG, Regensdorf.

Zimmerei              Meier Zimmerei AG, Endingen.

Fenster                 Schmid Fenster Manufaktur AG, Teufen.

Gipserarbeiten     Gipsergeschäft Kradolfer GmbH, Weinfelden.

Malerarbeiten       wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil

Hinterglasverg.     Studio Gambero, Zürich.

Kunstschlosserei  Werner Villiger Kunstschlosserei, Bünzen.

Fotografie             https://www.schaubstierli.com/projects

Prix Lignum          ​http://prixlignum.ch/p?de/3605

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