TINTIN

Im Auftrag der Neugestaltung des 1920 errichteten Wohnhauses wurde bewusst ein gestalterischer Bezug zur zeitgleich entstandenen und in kompletten Band vorliegenden Comicreihe Tintin von Hergé gesucht. Ausgangspunkt bildete das für Hergés Zeichenstil charakteristische Wechselspiel von Kontur und Fläche, das auf den architektonischen Bestand übertragen und dort gezielt untersucht wurde. Die Bezugnahme erfolgt dabei nicht als illustrative Aneignung, sondern als methodisches Zitat, das die Übersetzung eines grafischen Prinzips in den räumlichen Kontext erprobt.
Die ehemals maserierten Fenster, Lambris sowie Türeinfassungen wurden in ihrem Grundton der traditionellen Eichenmaserierung belassen. Diese historisch verankerten Elemente treten in einen bewussten Kontrast zu den neu eingeführten, monochromen Wandflächen, welche anstelle ornamentaler Tapeten eingesetzt wurden.
Die Kontur der Bauteile gewinnt dadurch an Prägnanz und verbindet sich im Beispiel des Wohnzimmers mit der hellen Eicheneinlage im Tafelparkett.
In dieser Konstellation wird die Kontur zum vermittelnden Element zwischen Bestand und Intervention. Die bewusste grafische Zuspitzung enthält dabei ein reflektiertes Moment der Ironie: Die Übertragung eines aus der Populärkultur stammenden, vermeintlich leichten Darstellungsprinzips auf den historischen Wohnraum erzeugt ein kalkuliertes Augenzwinkern, das die Strenge der formalen Setzung relativiert. Der historische Bestand wird somit weder nostalgisch reproduziert noch radikal negiert, sondern in einer zeitgenössischen, selbstbewusst distanzierten Lesart neu interpretiert.
Baujahr 2018/19
Bauherrschaft Privat
Architektur iDArchitekt.innen, Zürich
Oberflächen wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil
Fotografie wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil





