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HAUS MIRA, ANDERMATT

Andermatt befindet sich baukulturell an der Nahtstelle zwischen den Nord- und Südalpen.Vor diesem Hintergrund ist der der rotationssymmetrische Grundriss, welcher an kristalline Wachstumsfiguren wie Schneeflocken oder an bürgerliche Mailänder Wohnungen erinnert, zu verstehen. Eine Abfolge von polygonalen Räumen aus dem Treppenhaus über die zweigeschossige Halle zum dreiseitig orientierten Wohnraum bildet das Rückgrat der Wohnungen.

Der murale Baukörper reflektiert die massive Bauweise im Urserental. Untypisch für den Kanton Uri sind hier Steinhäuser aufgrund der Holzarmut und der Zuwanderung von Baumeistern von der Alpensüdseite stark vertreten.

Ein bekanntes Beispiel im Urserntal ist die Baumeisterfamilie Schmid aus Alagna, dem Val Sesia im Piemont. In der Enge der Gassen bilden drei Erker mit hochgezogenen Dachgiebeln eine identitätsstiftende Silhouette. Drei Fenster-typologien ergeben zu den Gassen ein spielerisches Fassadenbild: leicht ein-gezogene kleine Guckfenster und französische Fenster mit tiefen konischen Leibungen und gestrichenen Fensterläden setzen grafische Akzente in der zurück haltenden, natürlichen Farbigkeit der Fassade während die Panoramafenster schon fast städtisch wirken. Die Fenster in massivem Lärchenholz und die auf traditionelle Art weiss verputzte und gekalkte Fassade mit einem Sgraffito-schmuck im Sockel als Scheinbossierung aus stilisierten Pyramidenquadern verorten den Bau in der alpinen Bautradition.

Die Sgraffitotechnik hat sich im frühen 16. Jahrhundert von Rom aus verbreitet, zuerst Richtung Böhmen und Niederösterreich und anschliessend durch heimkehrende Handwerker oder Durchgangsverkehr im ganzen Alpenraum, und mischte sich mit lokalen Traditionen. Prominente Beispiele im Kanton Uri sind das Tellspielhaus und der künstlerische Schmuck des Zeughauses in Altdorf vom Urner Künstler Franz Fedier. Dank der grossen plastischen Wirkung dieser Putz-Technik hat sich im Lauf der Zeit mehrheitlich die Verwendung stilisierter Architekturelemente als Motivwelt herauskristallisiert. Der Sgraffitoschmuck des Haus Mira ist eine Scheinbossierung mit stilisierten Pyramidenquadern, welche den Schatten der Fassadenausrichtung nachempfunden sind. Die Pyramiden-quader öffnen ein Assoziationsfeld, welches über die Architekturreferenzen hinaus von Mailänder Mode bis zur sichtbaren Wehrhaftigkeit am Gotthard reicht und den Bau am Ort verankert.

Baujahr             2021/23

Bauherrschaft   Andermatt Swiss Alps AG

Architektur        Ilg Santer Architekten Zürich

Beratung          Institut Haus der Farbe, David Keist

Ausführung      Russo AG, Andelfingen

Fotografie         Felix Krumbolz 

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