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ELSTER, GRAND CASINO BADEN
WETTBEWERB 3.PLATZ

Der Baukörper von 1875, einst als Kurhaus inmitten eines grosszügigen Parks errichtet, trägt die Erinnerung an eine Zeit der Ruhe, der Promenade und der kultivierten Geselligkeit in sich. Hohe Räume, klassische Proportionen und die Nähe zur Landschaft erzählen von romantischer Tradition und bürgerlicher Repräsentation.

Mit dem halbrunden Annexbau der 1930er Jahre tritt eine zweite Epoche hinzu: eine filigrane Rippenkonstruktion mit grossflächigen Verglasungen, offen, lichtdurchflutet und dem Fortschrittsglauben verpflichtet. Hier zeigt sich die Moderne – dynamisch, urban, dem Vergnügen zugewandt. Heute begegnen sich in diesem Ensemble zwei Welten: die kontemplative Vergangenheit des Kurhauses und der pulsierende, von Spiel und Unterhaltung geprägte Casinobetrieb. Die Innenraumgestaltung des Restaurants greift dieses Spannungsfeld bewusst auf. Sie inszeniert den Dialog zwischen romantischer Erinnerung und zeitgenössischer Reizüberflutung, zwischen kultivierter Zurückhaltung und der glitzernden Ökonomie des Glücks.

Materialität und Atmosphäre folgen diesem Narrativ: Historisierende Elemente zitieren die Geschichte des Hauses, während glänzende Akzente, Spiegelungen und präzise Lichtsetzungen die Energie des Spielbetriebs aufnehmen. Der halbkreisförmige Raum des Annexes wird zur Bühne – transparent zum Park, doch zugleich eingebunden in die Dramaturgie des Casinos.

Auf der Suche nach einem institutionalisierten Namen, wie ihn historische Gasthäuser seit Jahrhunderten tragen, stiessen wir auf archetypische Bezeichnungen wie Löwen, Hirschen oder Sonne – Namen, die weniger Individuen als vielmehr Typologien beschreiben. Sie stehen für Beständigkeit, Wiedererkennbarkeit und kollektives Gedächtnis. Ein solches Haus ist nicht nur Ort, sondern Institution: über Generationen hinweg verankert im kulturellen Kontext.

Die Wahl der Elster knüpft bewusst an diese Tradition an und verschiebt sie zugleich. Anders als heraldische Tiere mit statischer Symbolik verkörpert die Elster Bewegung, Aneignung und Aufmerksamkeit. Sie sammelt, was glänzt; sie kombiniert Vorgefundenes zu Neuem. Damit wird sie zum präzisen Sinnbild eines Hauses, das historische Substanz bewahrt und zugleich Elemente der Gegenwart integriert.

Ausgehend von einer explorativen Untersuchung entwickelte sich eine Ober-fläche, deren Wirkung allein durch verdichten/polieren entsteht. Grundlage bildet ein historisches Blaupigment, das in seiner Tiefe und Brechung sorgfältig untersucht wurde. Je nach Lichteinfall wirkt die Fläche mal ruhig und tief wie Wasser – eine subtile Reminiszenz an die Geschichte des Kurhauses – mal schillernd und irisierend wie das Gefieder einer Elster. Der Effekt basiert nicht auf Zusatzstoffen oder Beschichtungen, sondern ausschliesslich auf der Bearbeitung der mineralischen Oberfläche selbst.

Diese Pigmentfläche fungiert im Projekt als atmosphärischer Fixpunkt. Sie bündelt in sich die thematischen Bezüge von Wasser, Glanz und Aneignung und übersetzt sie in Materialität. In der Visualisierung auf Wettbewerbsstufe wird diese Wirkung bewusst überzeichnet, um ihre konzeptionelle Bedeutung hervorzuheben und ihre räumliche Präsenz lesbar zu machen.

Baujahr             2018

Bauherrschaft   Grand Casino Baden

Architektur        iDArchitekt.innen, Zürich

Oberflächen      wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil

Fotografie         wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil

Visualisierung   iDArchitekt.innen, Zürich

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