ATER CULINA
BRONZE NATIONAL / PRIX LIGNUM 2024

Nach den substantiellen Eingriffen der Nachkriegszeit ist das historische Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert heute wieder in seiner ursprünglichen Typologie erfahrbar. Das Natursteinmauerwerk sowie das darauf aufbauende Fachwerk wurden mit Luftkalkmörtel verputzt. Die Gefache erhielten einen Lehmputz, der aus lokal gewonnenem Bodenmaterial hergestellt wurde; die Straßenbezeichnung «Tonacker» verweist bis heute auf diese geologische Ressource. Zur Stabilisierung und Ausrichtung der historischen Holzkonstruktion wurden ergänzend Schwarzstahlträger eingesetzt.
Die neu eingefügte Werkstattküche greift diese konstruktiven und materiellen Prinzipien auf und übersetzt sie in eine zeitgenössische, reversible Struktur. Ein Gerüst aus Vierkant-Fichtenhölzern mit einem Querschnitt von 30×30 Millimetern ist in traditioneller Überblattung gefügt und als modular erweiterbares System konzipiert. Abgekantete Schwarzstahlbleche übernehmen sowohl aussteifende Funktionen als auch die Aufgabe von Ablage- und Führungselementen für die Schubkästen. Diese sind als schwalbenschwanzgezinkte Holzboxen ausgeführt und gleiten ohne den Einsatz mechanischer Auszugssysteme direkt auf den Stahlblechen. Den oberen Abschluss bildet eine bläulich-graue Arbeitsfläche mit integriertem Trog aus Mägenwiler Muschelkalk.
Das konstruktive Leitmotiv der Küche folgt dem Prinzip der maximalen Reduktion technischer Verbindungsmittel. Ziel war ein Aufbau ohne Schrauben, Klebstoffe, Auszüge oder Scharniere. Abgesehen von den verklebten Schwalbenschwanz-zinken sowie den verschraubten Stahlblechen konnte dieses Konzept weit-gehend umgesetzt werden.
Ein zentrales Element der materialkonzeptionellen Verbindung zwischen Bestand und Intervention stellt die Oberflächenbehandlung der Holzelemente dar. Hierzu wurde eine Beize aus Flammruss aus dem hauseigenen Schornstein und Spiritus hergestellt. Die Holzteile wurden zweimal in diese Lösung getaucht, anschließend poliert und abschließend geseift. Durch dieses Verfahren wird das einfache Fichtenholz mit materialeigenen Partikeln veredelt und zugleich in einen historischen wie ortsspezifischen Kontext eingebunden.
Baujahr 2022
Bauherrschaft Silja Kornacher und David Keist, Volketswil
Planung Merk Raumgestaltung / Schreinerei Merk AG, Uster
Schreiner Merk Raumgestaltung / Schreinerei Merk AG, Uster
Oberflächen wrkstadt Architektur und Handwerk, Volketswil
Fotografie https://www.schaubstierli.com/projects
Prix Lignum http://prixlignum.ch/p?de/3603








